12. Aug 2016

Teure Gentherapien – Strimvelis mit neuem Bezahlmodell

Gentherapien sind keine herkömmlichen Medikamente – auch was die Finanzierung angeht. Strimvelis gibt es daher auf Ratenzahlung und mit Erfolgsgarantie.

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Rund 1 Millionen Euro kostet eine Behandlung mit Glybera, der ersten Gentherapie der westlichen Welt. Ihr Nachfolger Strimvelis ist etwas günstiger, aber auch nicht gerade billig: knapp 600 000 Euro. Andere Gentherapien werden mit Sicherheit folgen – können unsere Gesundheitssysteme das verkraften?

Der enorme Preis ist jedoch nur ein Teil des Problems, hinzu kommt das Timing. Herkömmliche Medikamenten werden kontinuierlich verabreicht: Die Kosten verteilen sich über längere Zeit, und falls die Therapie unwirksam ist, kann sie sofort beendet werden. Bei Gentherapien sieht das anders aus: Es gibt nur einen einzigen Eingriff, die Kosten entstehen auf einen Schlag – und die Erfolgsaussichten sind ungewiss.

Wenig Betroffene, aber viele Krankheiten

Dafür sind unsere Krankenkassen nicht ausgelegt, ihre Bezahlmodelle orientieren sich an herkömmlichen Medikamenten. Gentherapien – und auch die ähnlichen Stammzelltherapien – werden eine echte Herausforderung.

Und diese wird in Zukunft noch größer werden. Denn Gentherapien werden niemals billig sein: Die Entwicklungskosten sind hoch, und die möglichen Patienten sind meist rar gesät. Und etwa 4000 Erbkrankheiten, die auf einem einzelnen Gen beruhen, kommen als Ziel für Gentherapien in Betracht. In Deutschland könnte dies Millionen von Menschen betreffen.

Sollen wir den Betroffenen die Solidarität verweigern, weil die Finanzierung nur unter großen Anstrengungen möglich ist? Das kann nicht die Lösung sein. Auch deshalb, weil es sich – wie bei Strimvelis – oftmals um Kinder handeln wird.

Manche Therapien sind noch teurer

Und ein zweiter Blick offenbart, dass die Preise für Gentherapien zwar hoch, aber nicht außergewöhnlich hoch sind. Auch Organ-Transplantation sind extrem teuer, ein Darm schlägt etwa mit bis zu 1,5 Millionen US-Dollar zu Buch. Und eine Enzymersatz-Therapien mit dem ADA-Enzym – eine Alternative zu Strimvelis – kostet jährlich etwa 400 000 US-Dollar, und das lebenslang.

Das Problem muss also anders gelöst werden. Der erste Schritt wäre eine Änderung im Bezahlmodell: Die Stichworte lauten annuity payment, also eine Streckung der Zahlung über mehrere Jahre, und eine Kopplung an den Behandlungserfolg (pay-per-perfomance).

Nicht unbedingt weniger, aber anders zahlen

Dem Vernehmen nach wird dies auch bei Strimvelis ausprobiert. Die italienischen Behörden haben mit dem Hersteller GlaxoSmithKline vereinbart, dass die Bezahlung über mehrere Jahre gestaffelt wird, bis der Höchstbetrag von 594 000 Euro erreicht ist. Und sollte die Therapie ihr Ziel nicht erreichen (was bei einem von sechs Patienten der Fall sein könnte), muss gar nicht gezahlt werden.

Der große Vorteil ist, dass sich so wohl nur Therapien etablieren können, die tatsächlich wirksam sind. Zudem gewinnt man Erfahrungen, mit denen sich die Kosten der Therapie an deren Nutzen bemessen lassen – und nicht an den Gewinnerwartungen der Hersteller. Doch ob unsere Gesundheitssysteme die zusätzliche Last auch tragen können, werden wir wohl erst in vielen Jahren wissen.


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