7. Mai 2013

HIV-Impfung: größte Studie gestoppt

Erneuter Rückschlag bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das AIDS-Virus: Eine Studie mit 2500 Menschen in 19 US-amerikanischen Städten wurde zwei Jahre vor dem geplanten Ende gestoppt – die Impfung schützte nicht vor Ansteckung. Sind derartige Versuche grundsätzlich zum Scheitern verurteilt?

Ein harmloser Adenovirus sollte als Vehikel dienen, um drei Gene des AIDS-Virus in homosexuelle Männer zu transportieren und so einen Impfschutz gegen HIV zu erzeugen. Eigentlich ein guter Ansatz: Der Adenovirus verursacht im schlimmsten Fall leichte Atemwegs-Erkrankungen (der verwendete Virus war noch zusätzlich geschwächt), und die drei HIV-Gene können für sich allein auch keinen Schaden anrichten. Doch bereits in einer älteren Studie gab es Probleme: Die Zahl der Neuinfektionen bei den geimpften Personen war – statistisch allerdings nicht signifikant – höher als in der unbehandelten Kontrollgruppe. Diese STEP genannte Studie wurde 2007 gestoppt.

Ein ähnliches Problem schien sich auch bei der aktuellen Studie (mit Namen HVTN 505) einzustellen. Nach etwa drei Jahren Laufzeit wurde jetzt klar, dass der Impfstoff nicht wirkt: Die Zahl der Neuinfektionen ist nicht geringer, im Fall einer Infektion wird die Vermehrung des Virus nicht gehemmt. Und wieder gab es eine erhöhte Anzahl von HIV-Infektionen in der geimpften Gruppe (auch diesmal statistisch nicht signifikant). Auf Empfehlung eines unabhängigen Gremiums stoppte die US-Behörde NIAID die Studie mit sofortiger Wirkung, zwei Jahre vor deren Schluss.

Es bleibt damit nur ein Strohhalm, an dem die Hoffnungen hängen. Die RV 144-Studie kombinierte zwei an sich wirklose Impfstoffe und erbrachte einen bescheidenen Erfolg – das Risiko einer HIV-Infektion sank um etwa 31 %. Doch die Statistik steht auf tönernen Füßen und ist teilweise umstritten. Ein großer Durchbruch sieht jedenfalls anders aus.

Vielleicht haben diese Studien ein grundsätzliches Problem – sie wollen besser sein als die Natur. Erfolgreiche Impfstoffe – Pocken, Kinderlähmung, Masern – richten sich gegen Viren, gegen die fast alle Menschen schnell resistent werden. Das Gegenteil ist bei AIDS der Fall: Das Immunsystem kommt mit dem AIDS-Virus entweder gar nicht oder nur viel zu langsam klar. Wenn der menschliche Körper wehrlos ist, kann die beste Forschung nicht weiterhelfen.

http://www.niaid.nih.gov/news/newsreleases/2013/Pages/HVTN505April2013.aspx

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