11. Aug 2013

Impfung gegen Malaria – ein Hoffnungsschimmer?

Ein neuer Impfstoff soll vor Malaria schützen – allerdings wurde erst an 15 Freiwilligen getestet. Zusätzlich sind Herstellung und Lagerung so aufwändig, dass ein Einsatz in Afrika kaum praktikabel erscheint. Doch die einzige Alternative überzeugt ebenfalls nicht.

Speicheldrüsen von Moskitos – eine eher ungewöhnliche Quelle für ein pharmazeutisches Produkt. Doch etwa ein Dutzend Angestellte der US-amerikanischen Firma Sanaria zupfen die Drüsen aus infizierten Mücken und gewinnen daraus Sporozoiten, eine Entwicklungs­form des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum. Geschwächt durch radioaktive Strahlung bilden sie die Grundlage für den neuen Impfstoff.

Wenn man der ersten Studie glaubt, hat sich der Aufwand gelohnt: 12 von 15 Freiwilligen waren vor Malaria geschützt. Für eine Malaria-Impfung ist das ein beeindruckender Wert – und wohl auch der Grund, warum diese frühen Testergebnisse in die Schlagzeilen gerieten.

Doch Vorsicht ist angebracht: 15 Testpersonen sind viel zu wenig, um belastbare Aussagen zu treffen. Viel zu oft schon fielen hoffnungsvolle Impfstoffe bei größeren Studien durch. Ein prominentes Beispiel dafür ist RTS,S – ebenfalls ein Malaria-Impfstoff, der sich allerdings schon in der Endphase der klinischen Testung befindet. Anfangs waren die Ergebnisse ähnlich gut: In einer Gruppe der ersten RTS,S-Studie waren sechs von sieben Freiwilligen geschützt.

In der Folge konnte RTS,S (auch Mosquirix genannt) diese Werte nie wiederholen. Und in der letzten und größten Studie stellte sich Ernüchterung ein: Der Impfstoff schützte nur 56 % der Säuglinge und Kleinkinder, bei etwas älteren Kindern waren es sogar nur noch 31 %. Für einen Impfstoff sind das katastrophale Werte.

Der große Vorteil von RTS,S: Es ist ein azellulärer Impfstoff, der nur einen einzigen Bestandteil von P. falciparum enthält. Damit ist er einfach und relativ günstig herstellbar, gut zu lagern und leicht zu transportieren. Für eine Anwendung in der dritten Welt sind das unverzichtbare Eigenschaften.

Das führt direkt zu den wesentlichen Nachteilen des neuen Sporozoiten-Impfstoffs: Die Herstellung ist extrem aufwändig, und die noch lebensfähigen Erreger müssen in flüssigem Stickstoff gelagert werden – bei fast -200 °C. In den armen und heißen Regionen Afrikas ist das kaum praktikabel. In dieser Form ist der Impfstoff keine Option, auf den Hersteller kommt da noch viel Entwicklungsarbeit zu.

220 Millionen Menschen erkrankten im Jahr 2010 an Malaria, 660 000 starben daran – die meisten davon Kinder. Anhand dieser dramatischen Zahlen wird klar, warum ein Impfstoff so dringend gebraucht wird. Die Ausgangslage ist jedoch denkbar schlecht: Anders als etwa bei Viren kann der menschliche Körper keinen dauerhaften Impfschutz gegen P. falciparum aufbauen. Selbst Erwachsene, die bereits viele Infektionen durchgemacht haben, erkranken immer wieder neu an Malaria. Wenigstens sterben sie nicht mehr so häufig daran.

Realistisch betrachtet ist dies die größte Hoffnung, die man in einen Malaria-Impfstoff setzen kann: Dass er die Todesrate senkt – vor allem bei den hochgefährdeten Säuglingen und Kleinkindern. Angesichts der vielen Erkrankten und Toten wäre auch ein schlechter Impfstoff noch ein großer Erfolg.

Quellen:
Seder et al., Science August 2013: Protection Against Malaria by Intravenous Immunization with a Nonreplicating Sporozoite Vaccine


J. Kaiser, Science August 2013: Unconventional Vaccine Shows Promise Against Malaria

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