6. Aug 2013

Keuchhusten kehrt zurück – Impfstoff nur bedingt wirksam

Keuchhusten – in den 1970er scheinbar unter Kontrolle – ist wieder auf dem Vormarsch. Schuld daran ist ein Impfstoff, der 1995 eingeführt wurde: Der hat zwar wesentlich weniger Nebenwirkungen als sein Vorgänger, schützt aber nur für eine begrenzte Zeit.

Vor gut 30 Jahren war Keuchhusten eine Seltenheit – zumindest in Länder mit Impfpflicht. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: Die Impfung hatte schwere Nebenwirkungen, oftmals war sie von hohem Fieber und starken Krämpfen begleitet. Damals wurde noch ein Ganzkeim-Impfstoff verwendet, hergestellt aus getöteten Bakterien und voller entzündungsfördernder Substanzen. Die moderne Impfskepsis hatte übrigens damals seinen Anfang.

1995 wurde dann ein sogenannter azellulärer Impfstoff eingeführt, der alle Probleme zu lösen schien. Statt ganzer Erreger waren nur noch ausgewählte Bestandteile des Bakteriums im Impfstoff enthalten, vor allem das äußerst entzündliche Endotoxin wurde entfernt. Die Nebenwirkungen waren damit fast verschwunden, und der Impfschutz schien dabei – so glaubte man – keinen Schaden zu nehmen.

Doch nun stellt sich Ernüchterung ein: Im Jahr 2012 wurden in den USA 50 000 Keuchhusten-Fälle
gemeldet, verglichen mit etwas mehr 1000 Erkrankungen im Jahr 1976. Zusätzlich waren 18 Tote zu beklagen. Die Wirksamkeit des azellulären Impfstoffs ist überschätzt worden, zusätzlich verschwinden die gebildeten Antikörper schneller wieder aus dem Blut.

Ein Teil des Problems: Das bakterielle Endotoxin ist zwar für die Nebenwirkungen verantwortlich, kurbelt aber auch gleichzeitig die Immunantwort an. Entzündungen signalisieren dem Immunsystem, dass Gefahr im Verzug ist – die Abwehrmechanismen werden auf Hochtouren gebracht. Ohne Entzündung bleibt die Immunantwort eher verhalten.

Das Problem ist also nicht leicht zu lösen: Bei stark wirksame Impfstoffe wird auch das Risiko von schweren Nebenwirkungen steigen, gut verträgliche Impfstoffe hingegen sind auch tendenziell weniger wirksam. Das Problem strahlt weit über Keuchhusten hinaus, denn allgemein versucht man, von den Ganzkeim-Impfstoffen wegzukommen.

Denn die Vorteile der azellulären Impfstoffe sind vielfältig: Sie sind sicherer, billiger zu produzieren, und können besser standardisiert werden. Außerdem sind sie weniger wärmeempfindlich und müssen nicht ständig gekühlt werden – eine zwingende Voraussetzung, wenn auch Länder der Dritten Welt mit heißen Klima profitieren sollen.

Doch wenn die azellulären Impfstoffe schlechter wirken, wird auch die Impfbereitschaft darunter leiden. Warum sich impfen lassen, wenn es doch nicht hilft? Alle Impfskeptiker dürften sich wieder bestätigt fühlen.

Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, da machen auch Impfstoffe keine Ausnahme. Doch was viele scheinbar vergessen: Impfungen sind einer der größten Erfolge der Medizin. Die Pocken sind Vergangenheit, das Ende der Kinderlähmung ist hoffentlich absehbar, und auch die Keuchhusten-Erreger könnten endgültig ausgerottet werden. Nebenwirkungen sind der unvermeidliche Preis, den wir für diese Erfolge zahlen.

Quellen:
A. Allen, Science 2013: The Pertussis Paradox

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