21. Mai 2015

Krebstherapie: Patienten leben länger, aber die Kosten steigen

Zwei von drei Krebspatienten überleben heute mindestens fünf Jahre. Aber der Erfolg hat seinen Preis: Im Jahr 2014 hat dies weltweit 100 Milliarden US-Dollar verschlungen.

Die Fortschritte sind eher klein, aber es geht stetig voran: Bei fast jeder Art von Krebs steigen die Chancen, auch fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben zu sein. Das besagt ein Bericht der US-amerikanischen Firma IMS Health, die sich auf die Auswertung von Gesundheitsdaten spezialisiert hat. Die Analyse zeigt jedoch auch, dass die Kosten deutlich gestiegen sind – und wohl auch in den nächsten Jahren weiterhin spürbar wachsen.

Trotz aller Freude über bessere Therapien – der große Durchbruch blieb aus. Bei manchen Unterformen von Krebs gab es zwar deutliche Fortschritte, doch betrafen diese nur wenige Patienten.

Kleine Schritte zum Erfolg

Es war die Summe vieler kleiner Schritte, welche die Überlebensrate um etwa 12 % ansteigen ließ (streng genommen gilt das nur für US-Amerikaner, da nur die Daten der dortigen Krebsregister ausgewertet wurden). Durchschnittlich überlebten im Jahr 2010 zwei von drei Amerikanern ihre Krebsdiagnose um fünf Jahre, im Jahr 1990 waren das nur etwas mehr als die Hälfte.

Und die Unterschiede zwischen den Krebsarten bleiben groß. Neun von zehn Patienten, die an Brust– oder Prostatakrebs erkranken, überleben fünf Jahre oder länger. Befällt der Krebs jedoch Leber, Bauchspeicheldrüse oder Lunge (in der nicht-kleinzelligen Form), kann sich nicht einmal einer von fünf Betroffenen Hoffnungen machen.

Große Aktivität zeigte hingegen die Pharmaindustrie: 45 neue Medikamente wurden allein zwischen 2010 und 2014 zugelassen. Darunter auch neue Formen der Therapie, an vorderster Front die Checkpoint-Hemmer. Viele weitere Immuntherapien befinden sich in der Testphase, und in den nächsten zehn Jahren werden einige davon auf den Markt drängen.

Kosten auf Rekordniveau

Doch neue Therapien sind meist auch sehr teuer. Und so stiegen allein im Jahr 2014 die Kosten für Krebsmedikamente um mehr als 10 %, so dass erstmals – zumindest nominell – weltweit die Grenze von 100 Milliarden US-Dollar überschritten wurde. 1999 schlugen dafür nur 75 Milliarden US-Dollar zu Buche (die tatsächlichen Werte könnten etwas niedriger liegen, da manche Rabatte hier nicht eingerechnet sind). In Deutschland entsprach das – umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung – pro Kopf und Jahr knapp 70 Euro. Zielgerichtete Medikamente verschlingen mittlerweile die Hälfte dieser Summe. Die Kosten werden auch in den nächsten Jahren weiter steigen, mit etwa 6-8 % pro Jahr rechnet zumindest IMS Health.

Interessant verspricht die Entwicklung von Kombinationstherapien zu werden. Dazu werden verschiedene Behandlungen – zielgerichtete Medikamente, Immuntherapien, konventionelle Methoden – gleichzeitig verabreicht; Experten hoffen, dass dies die Wirksamkeit der Therapien deutlich verbessert. In den nächsten sechs Jahren werden vermutlich einige Dutzend Kombinationstherapien auf den Markt kommen: Zuerst wohl gegen Brust- und Blutkrebs, nach 2018 dann auch gegen Lungen- und Hautkrebs.

Immerhin, es geht voran. Aber der Kampf gegen Krebs wird an vielen Fronten ausgefochten – und wird sich noch lange hinziehen.

Quellen:
Developments in Cancer Treatments, Market Dynamics, Patient Access and Value, IMS Institute for Healthcare Information, May 2015

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