28. Sep 2016

Gen- und Stammzelltherapien: Hohe Kosten, komplexer Markt

Aufwändige Herstellung, wenig Abnehmer, keine Konkurrenz – viele Gründe treiben den Preis für neuartige Therapien in die Höhe.

kosten-neuartige-therapien

Eine Million Euro für einen einzigen Eingriff – die Gentherapie Glybera hat Maßstäbe gesetzt. Auch wenn dies eine Ausnahme bleibt, werden wir uns an sechsstellige Beträge gewöhnen müssen. Gierige Pharmaindustrie? Dieser Vorwurf greift zu kurz.

Der Stammzellforscher Alexey Bersenev zählt sieben Gründe auf, warum Gen- und Stammzelltherapien so teuer sind. Angeregt durch eine Analyse von Berliner Ärzten stellt er zwei Themen in den Mittelpunkt: hohe Unkosten und ein komplexer Markt.

Hohe Kosten

Neuartige Therapien erfordern einen wesentlich höheren Aufwand als konventionelle Arzneimittel. Statt chemischer Großsynthesen ist mühsame Zellkultur gefragt, manchmal sogar Handarbeit. Der Arbeitseinsatz ist hoch, die Herstellungskosten dementsprechend auch. Zudem nutzen viele der Therapien sogenannte autologe Zellen, die aus dem Körper des Patienten stammen. Im Vergleich zu körperfremden, allogenen Zellen treibt dies die Kosten nochmals um ein Vielfaches in die Höhe.

Der nächste Punkt ist die Logistik. Produkte aus lebenden Zellen benötigen eine zuverlässige Kühlkette, und es muss schnell gehen: Das Zellprodukt Holoclar hat eine Lebensdauer von 36 Stunden, bei der Gentherapie Strimvelis sind es sogar nur sechs. Und da es jeweils nur eine zentrale Produktionsstätte gibt, ist die Auslieferung von Holoclar höchst aufwändig – und für Strimvelis müssen die Patienten sogar eigens nach Mailand reisen.

Die Patienten sind ein weiterer Faktor, oder genauer gesagt – deren Zahl. Die ist in der Regel äußerst klein. Bei Strimvelis etwa müssen die Kosten für die langwierige Entwicklung auf jährlich fünfzehn Patienten umgelegt werden: Mehr sind in Europa nicht zu erwarten.

Fehlende Konkurrenz, keine Regulation

Die Unkosten sind ein Problem für die Hersteller, aber auch der Markt für Stammzell- und Gentherapien hat seine Eigenheiten. Die spielen allerdings den Firmen in die Hände. So fehlt in der Regel die Konkurrenz: Ist die Therapie offiziell als Orphan Drug zugelassen (was die Regel ist), kann sich der Herstellen in der EU über zehn Jahre Marktexklusivität freuen.

Den Kontrollbehörden fehlt auch ein geeignetes Instrument, um die Kosten im Zaum zu halten. Bei konventionellen Medikamenten entscheidet der Zusatznutzen (relativ zur Standardtherapie) über den Marktpreis, aber bei neuartigen Therapien fehlt diese Vergleichsmöglichkeit. Sie sind ja die ersten und einzigen auf dem Markt. Den Preisvorstellungen der Firmen haben die Behörden also wenig entgegenzusetzen.

Letztlich noch ein Punkt, der psychologisch nicht unbedeutend ist: Stammzell- und Gentherapien versprechen Aussicht auf vollständige Heilung – oder zumindest etwas, was dem sehr nahe kommt. Die Bereitschaft, dafür auch viel Geld auf den Tisch zu legen, ist dementsprechend höher. Besonders wenn es sich bei den Patienten um todkranke Kinder handelt.

Preise werden fallen – aber wann?

Wenn Bersenev mit seiner Analyse richtig liegt, können wir auf die Zukunft hoffen. Technische Fortschritte bei Herstellung und Logistik werden die Unkosten reduzieren, stärkere Konkurrenz und bessere regulatorische Übersicht werden den Druck auf die Hersteller erhöhen.

Doch im Moment hilft das wenig, die Preise sind hoch. In absehbarer Zeit wird sich dies auch kaum ändern, denn der Markt für neuartige Therapien muss sich erst einspielen. Und das kann einige Jahre dauern – wenn nicht sogar Jahrzehnte.

5 thoughts on “Gen- und Stammzelltherapien: Hohe Kosten, komplexer Markt

  1. Es gibt wirksame individuelle Therapien, die wenig bis nichts kosten. Das interessiert aber niemanden.
    Wissenschaftler schauen immer tiefer und noch tiefer in die Zelle. Die Grundlagen aller Krankheiten und auch Schmerzen liegen an der Oberfläche. Aber für oberflächliche Therapien gibt’s keine Gelder. Dabei könnten wirklich vielen Menschen geholfen werden.

    Wichtig ist, das die Wissenschaftler tiefer in die Zelle schauen, dann werden neue Medikamente entwickelt und dann verdient die Pharmaindustrie. Dann gibt’s noch Nebenwirkungen. Einmal beim Arzt, immer beim Arzt.

    Meine Mutter kannte keinen Arzt, sie ist 90 Jahre geworden.
    Meine Oma kannte keinen Arzt und war 80 Jahre.
    Das müsste doch zu denken geben?
    Aber wer kann schon denken?
    Die große Schwemme mit Krebspatienten kam mit der Krebs-Vorsorge. In unserer Stadt kannten wir nur ein Krankenhaus, jetzt haben wir drei.

    Die Vorsorge muß sich aber gelohnt haben !!! Diese Angsmacherei ist echt erschreckend.
    Schon mal überlegt? Die gesündesten Menschen sind die, die nicht zum Arzt gehen?

    Schafft der Krebs das nicht den Menschen umzubringen, schafft es die Chemotherapie.

    Ich reg mich nicht auf, ich könnte schreien!!!

    Ein Krebs benötigt 20 ; 40; oder 60 Jahre bis zum Ausbruch. Bei Kindern ist das etwas anders.

    • Dass Ihre Mutter und Oma ein hohes Alter erreichten und dabei gesund geblieben sind, freut mich zu hören. Doch die meisten Menschen haben nicht so viel Glück – für sie ist ein Arzt unverzichtbar.

      Und ihre These, dass „die Grundlagen aller Krankheiten und auch Schmerzen an der Oberfläche“ liegen, ist jedenfalls sehr originell. Wenn sie stimmt, ist unser Wissen bereits vollständig. Wir können die Forschung einstellen und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft begraben.

      • Ja, absolut richtig!
        D.D. Palmer mit seiner Chiropraktiker erkannte das vor fast 200 Jahren
        und vor fast 100 Jahren die Brüder Huneke mit der Neuraltherapie

        Akupunktur schon seit mindestens 4000 Jahren.
        Nur (für) die Wissenschaft zählt das Geld.

  2. was soll all das Gerede.Ich habe seit 24 Jahren
    parkinson. und es gibt nix von wegen
    Stammcellen. Gibt es einen einzigen Kranken dem es
    geholfen hat.
    da finde ich es besonders unerträgich wenn 2 Wisenschafler vom Max Plank
    Institut Dresden. den PARKINSON mit Yokurt besigt haben wolles
    Soweit darf eine Zeitungsente nicht gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.