3. Jan 2017

iPS-Zellen in der Medizin – Japan stürmt voran

Von Fujifilm bis Mitsubishi, von der Regierung bis zu einem Nobelpreisträger: In Japan ziehen alle an einem Strang, wenn es um iPS-Zellen geht.

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Es wird wohl ein Start-Ziel-Sieg: Ein Japaner entwickelte die iPS-Zellen, eine Japanerin testete sie erstmals am Menschen. Die Regierung von Japan ändert Gesetze und fördert mit Millionenbeträgen. Und die internationale Konkurrenz? Wird von japanischen Firmen geschluckt oder durch Verträge gebunden.

Zu den einstmaligen Konkurrenten gehörte auch die US-amerikanische Firma Ocata, vormals Advanced Cell Technologies. Vor sechs Jahren begann Ocata, Stammzelltherapien für altersbedingte Makuladegeneration am Menschen zu testen – als zweite Firma weltweit. Doch schon früh sicherte man sich auch Patente und Methoden für iPS-Zellen, die langfristig wohl die größere Rolle spielen werden (wie Ocatas wissenschaftlicher Kopf Robert Lanza erst kürzlich bekräftigte).

Retter in der (Geld)not

Ocata litt allerdings permanent unter Geldnot, und da kam ein liquider Käufer gerade recht – der Pharmakonzern Astellas aus Japan. Hierzulande mag Astellas fast unbekannt sein, aber in Japan ist die Firma eine feste Größe. Zudem mit viel Geld im Hintergrund: Astellas gehört zu einem Geflecht von Firmen, hinter denen letztlich der Industriegigant Mitsubishi steht – der Milliarden mit Autos und Bankgeschäften scheffelt.

Neben japanischen Autoherstellern entwickeln auch japanische Kamerahersteller Interesse an Stammzelltherapien. Namentlich Fujifilm, die mit der australischen Firma Cynata eine Kooperation eingegangen sind. Cynata erhielt vor kurzem von britischen Behörden die Genehmigung, iPS-Zellen am Menschen zu testen. Die Studie soll bald losgehen, und wenn alles gut klappt, sitzt Fujifilm mit im Boot.

Jedem Japaner seine iPS-Zelle

Daheim in Japan ist auch der Nobelpreisträger Shinya Yamanaka – Entwickler der iPS-Zellen – nicht untätig geblieben. Er sammelt Nabelschnurblut und baut damit eine Stammzellbank auf, die mindestens 90 % der japanischen Bevölkerung mit passenden iPS-Zellen versorgen soll. Die erste dieser Zelllinien wird wohl bald zum Einsatz kommen.

All das ist Teil eines größeren Plans, der Japan die pole position auf dem (hoffentlich) lukrativen Markt der regenerativen Medizin sichern soll. Die japanische Regierung mischt da aktiv mit: 2013 hat sie die iPS-Zellen zur Priorität erklärt und fördert die klinische Forschung seitdem mit großzügigen Millionenbeträgen. Ein Jahr später legten die Behörden mit vereinfachten Regeln für klinische Studien nach: Stammzelltherapien können damit deutlich früher am Menschen getestet werden. Unklar bleibt jedoch, wem dies mehr nützt – der Industrie oder dem Patienten?

Und das Wohl der Patienten?

Es ist sicher begrüßenswert, dass ein Land derart entschieden die Therapien mit iPS-Zellen vorantreibt. Dass Problem besteht jedoch darin, dass offenkundig politische und kommerzielle Interessen im Vordergrund stehen. Bleibt das Wohl der Patienten dabei auf der Strecke? Japan hat einen Prozess angestoßen, dessen Ausgang ungewiss ist. Aber auch das passt zu den iPS-Zellen: Sie waren von Anfang an ein kühnes Experiment – und werden es wohl weiterhin bleiben.

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