6. Feb 2018

Menschen klonen Affen – wofür?

Das Klonschaf Dolly lässt grüßen: In China hat ein Kerntransfer zwei Javaneraffen auf die Welt geholfen. Rein technisch ist das ein Fortschritt, aber der Sinn bleibt fraglich.

Quelle: Qiang Sun and Mu-ming Poo / Chinese Academy of Sciences

Bereits vor knapp 20 Jahren wollte der US-Forscher Shoukhrat Mitalipov einen Affen klonen. An geschätzten 15 000 Eizellen arbeiteten sich seine Mitarbeiter ab, doch am Ende blieben sie erfolglos: Der Kerntransfer bei Primaten blieb außer Reichweite.

Chinesische Forscher machten es nun besser. Zhong Zhong und Hua Hua heißen zwei genetisch identische Javaneraffen, deren Erbgut aus den Hautzellen eines Fetus stammt. Geklont mit einer ähnlichen Methode wie einst das Klonschaf Dolly. Die Namen der Äffchen – abgeleitet von zhonghua, „chinesischer Nationalstolz“ – spiegeln wohl treffend die Gemütslage der Wissenschaftler wider.

Technische Meisterleistung, aber Probleme bleiben

Technisch und methodisch war der Kerntransfer ein großer Schritt voran, wie auch westliche Experten bereitwillig einräumten. Doch laut dem Gruppenleiter Sun Qiang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai. soll dies erst der Anfang sein: Die geklonten Affen sollen die Entwicklung von Therapien beschleunigen, und in Kombination mit der Genschere CRISPR könnten die Tiere die Erforschung von neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson vorantreiben.

Doch wie realistisch sind diese Hoffnungen? Können Affen unverzichtbare Hinweise für menschliche Hirnerkrankungen liefern? Und nicht zuletzt: Affen als Versuchstiere, ist das zu rechtfertigen? Zentrale Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind.

Fangen wir vorne an, beim Problem der praktischen Umsetzung. Auch wenn das Klonen von Affen nun grundsätzlich möglich ist, bleibt die Methode weiterhin äußerst ineffizient. Um zwei lebensfähige Tiere zu erhalten, mussten 109 Embryonen erzeugt werden, die in 21 Ersatz-Mütter implantiert wurden. Ein erheblicher Aufwand, und das in jeder Hinsicht – personell, zeitlich und finanziell.

Fehlschlag bei Zellen mit erwachsenen Tieren

Dazu kommt, dass der Kerntransfer bislang nur mit fetalen Zellen funktioniert. Adulte Zellen, gewonnen aus Kumulusgewebe, widersetzen sich weiterhin der Klonierung, trotz nochmals erhöhtem Aufwand: 192 Embryonen und 42 Ersatzmütter resultierten zwar in der Geburt zweier Tiere, die jedoch rasch verstarben. Woran, bleibt unklar.

Was passiert nun, wenn fetale Zellen zusätzlich mit CRISPR verändert werden? Die notwendigen Tests und Manipulationen werden der Vitalität der Zellen nicht unbedingt zuträglich sein. Eignet sich das manipulierte Erbgut dann noch fürs Klonen? Bis sich der Kerntransfer bei Primaten in der Praxis bewährt, sind noch einige Hürden zu überwinden.

Fast noch schwerwiegender ist die Frage nach dem Warum: Welchen Vorteil bieten klonierte, genetisch manipulierte Affen? Die chinesischen Forscher (beheimatet an einem Institut für Neurowissenschaften) verweisen darauf, dass neurodegenerative Krankheiten beim Menschen auch deshalb schwer zu untersuchen sind, weil geeignete Tiermodelle fehlen. An Mäusen und Ratten lernt man nur wenig über Fehlfunktionen des menschlichen Hirns.

Parkinson und Alzheimer – große Hürden, fraglicher Sinn

Das Gehirn eines Affen ist uns da schon wesentlich näher. Primaten sind sicher ein besseres Modell – aber deshalb auch schon eine gutes? Auch Affen erkranken nicht an menschlichem Parkinson. Und einzelne Manipulationen im Erbgut werden kaum ausreichen, um die Erkrankung zu simulieren. Der Erkenntnisgewinn von geklonten Affen könnte sehr gering sein.

Zudem werden Forscher lange auf die Erkenntnisse warten müssen. Parkinson ist bekanntlich eine Alterskrankheit, die sich erst zum Ende des Lebens hin ausbildet. Und das Leben eines Javaneraffen dauert 25 bis 30 Jahre – die Versuche würden sich wohl über Jahrzehnte hinziehen.

Und nun zur Frage der Ethik. Was dürfen wir einem Tier antun, welcher Fortschritt soll das rechtfertigen? Bei komplizierten, kaum zu erforschenden Krankheiten wie Parkinson wäre das vielleicht vertretbar – sofern sich die Tiere dazu eignen. Aber bei einfacheren Fragen wären wohl auch Alternativen verfügbar, und ein Einsatz von Affen schwer zu begründen.

CERN der Primatenforschung geplant

Tierversuche haben allgemein keinen guten Ruf, und solche mit Affen noch viel weniger. Und das oft mit gutem Grund. Auch dies trägt dazu bei, dass immer mehr Forscher auf den Einsatz von Primaten verzichten.

China will hier offenkundig gegen den Strom schwimmen. In Shanghai soll ein großes Primatenzentrum entstehen, mit höchsten Ambitionen: „Es wird das CERN der Primaten-Neurobiologie“, prophezeit einer der chinesischen Wissenschaftler. Dass China sich rasch auf neuen und vielversprechenden Felder durchsetzen kann, hat es schon mehrfach bewiesen. Aber kann es auch einem weltweiten Trend trotzen? Im Alleingang eine Abwärtsspirale stoppen?

China lässt es offenkundig darauf ankommen. Vielleicht wird es belohnt und setzt sich bald an die Spitze der neurobiologischen Forschung. Vielleicht rast es aber auch nur mit Vollgas in eine Sackgasse.

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