21. Aug 2016

Stammzelltherapie für Herzschwäche: Studie gescheitert – oder doch nicht?

Eine belgische Firma testet Stammzellen für die Therapie von Herzkrankheiten. Die Ergebnisse einer wichtigen Studie wurden kürzlich verkündet – für die erhoffte Klarheit sorgen sie nicht.

Stammzelltherapie herz

Stammzelltherapien sollen geschwächten Herzen neue Kraft geben und – so die Hoffnung – unzählige Leben retten. Ärzte haben dies bereits an tausenden Patienten getestet, doch ob Stammzellen wirksam sind, bleibt weiterhin unklar. Drei große Studien sollten endlich Klarheit bringen, eine wurde nun abgeschlossen: Das Ergebnis ist eindeutig – Raum für Interpretationen bleibt trotzdem.

Die jüngst abgeschlossene Studie nennt sich CHART-1. Dahinter steht die belgische Firma Celyad, die eine Stammzelltherapie namens C-CURE entwickelt hat, um Menschen mit chronischer koronarer Herzkrankheit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Das Ergebnis von 271 Patienten wurde kürzlich verkündet: Das primäre Endziel wurde nicht erreicht. Die Studie ist gescheitert. Punkt.

Im Ganzen gescheitert, im Teil erfolgreich?

Doch so leicht gibt sich Celyad nicht geschlagen. Die Firma hat die Daten bis ins Detail analysiert und fand etwas Auffälliges: 140 Patienten – charakterisiert durch ihr Enddiastolisches Volumen – heben sich von der Gesamtheit ab.

Das Enddiastolische Volumen (EDV) ist eine Größe, die etwas über die Leistung des Herzens aussagt. Diese will C-CURE verbesseren, indem sie auf körpereigene Zellen zurückgreift: Mesenchymale Stammzellen werden aus dem Knochenmark gewonnen und im Labor mit Wachstumsfaktoren behandelt, bis sie Eigenschaften von Herzzellen annehmen. Zurück im Körper sollen die Zellen das Herz wieder stärken, die Lebensqualität der Patienten erhöhen und schlimmeren Ereignissen wie einem Herzinfarkt vorbeugen.

Die Patienten mit dem auffälligen EDV-Wert (also 60 % der Teilnehmer von CHART-1) scheinen von der Stammzelltherapie profitiert zu haben. Zumindest gibt es Verbesserungen, die statistisch signifikant sind. Wie stark die Verbesserungen sind, darüber verliert Celyad jedoch kein Wort: Sie könnten dramatisch sein, was aber unwahrscheinlich ist. Oder marginal – was erklären würde, warum die Firma nichts weiter dazu sagt.

Celyad gibt nicht auf

Dünner geht es also kaum: Ein Teil der Patienten erfährt vermutlich eine Verbesserung, deren Ausmaß im Dunkeln bleibt. Doch Celyad reicht das, um eine gescheiterte Studie als Teilerfolg zu verkaufen.

Versucht hier eine Firma, mit allen Mitteln ihr Produkt zu retten? Oder zeigt sich hier nur der mühsame Alltag der Forschung, der sich schrittweise von Erkenntnis zu Erkenntnis hangelt? Man weiß es nicht.

Celyad jedenfalls will mit der europäischen Gesundheitsbehörde sprechen. Und dabei sondieren, ob diese Daten für eine Zulassung von C-CURE ausreichen. Zudem sollen die Erkenntnisse genutzt werden, um eine zweite Studie in den USA mit Namen CHART-2 zu modifizieren. Dass dies in absehbarer Zeil für Klarheit sorgt, erscheint zweifelhaft.

Weiter warten

Zwar gibt es noch zwei andere Studien, die Stammzelltherapien für Herzkrankheiten testen. Mit insgesamt 3600 Patienten sind diese sogar eindrucksvoll bestückt, aber Ergebnisse sind erst in etwa zwei Jahren zu erwarten.

Die Hängepartie wird also weiter gehen. Stammzellen helfen ein bisschen bei Herzschwäche, das scheint mittlerweile klar. Doch wie groß ist diese Hilfe? Auf die Antwort werden wir noch einige Zeit warten müssen.

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