29. Jun 2016

Synthetische Biologie: Rosenöl statt Revolution

Gingko Bioworks gehörte zu den ersten Firmen, die mit synthetischer Biologie Geld verdienen wollen. Nach acht Jahren ist großer Zahltag – mit einfachen Produkten des täglichen Gebrauchs.

Rose_rouge_01

Rosenöl: Demnächst vielleicht nicht mehr aus der Pflanze, sondern aus Mikroorganismen. Quelle: 0x010C

Parfümöle und Nahrungszusätze – klingt nicht nach einer Revolution. Die synthetische Biologie verspricht schließlich Durchbrüche bei alternativen Kraftstoffen, Medikamenten und Biosensoren. Doch mit diesen – scheinbar banalen – Produkten ist der Firma Gingko Bioworks ein echter Coup gelungen.

Es sind drei Zahlen, die bei diesem Deal beeindrucken. Die erste davon lautet 100 Millionen: Soviel US-Dollar hat Gingko nun auf einen Schlag eingeworben. Nicht schlecht für eine Firma, die einst gegründet wurde, um Genkonstrukte auf Papierschnitzeln zu verkaufen.

Mehr DNA als der Rest der Welt

Die zweite Zahl: 600 Millionen. Soviel DNA-Basen will Ginkgo jährlich kaufen, natürlich in Form von längeren Gen-Fragmenten. Um es in das rechte Licht zu setzen: 600 Millionen DNA-Basen entsprechen 60­% der gesamten, weltweiten Jahresproduktion.

Dreißig. Die letzte Zahl klingt nach wenig, bezieht sich aber auf die modifizierten Organismen, die Gingko demnächst in 15 Länder liefern will. Ich habe keine Vorstellung, wie viele veränderte Mikroorganismen schon in weltweit in den Fabriken werkeln, aber für mich klingt das beeindruckend. Wer kann schon von sich behaupten, die Erde mit dreißig neuen Lebewesen bereichert zu haben?

Schöner Duft und herzhafter Geschmack

Zwei Kunden sind schon bekannt. Die französische Firma Robertet vertreibt natürliche Inhaltsstoffe, und sieht sich selbst als weltweit führend dabei. Unter anderem verkaufen sie Rosenöl, das bislang aufwändig den Blütenblätter abgepresst werden musste. Wenn Gingko Erfolg hat, ist es mit dem Pressen vorbei: Unscheinbare Mikroorganismen sollen die wohlriechenden Öle produzieren.

Der zweite Kunde ist Ajinomoto, ein japanischer Konzern, der Lebensmittel und Nahrungszusätze herstellt. Ajinomoto behauptet von sich, weltweit als erste die Geschmacksrichtung Umami hergestellt zu haben. Da fällt das Raten leicht: Die Mikroben von Gingko Bioworks werden wohl auf Glutamat getrimmt.

Das ist also die Zukunft der synthetischen Biologie, zumindest für die nächsten Jahre. Also in der Sache nicht so aufregend, in der Größenordnung aber durchaus. Der Trend bestätigt sich: Die revolutionäre synthetische Biologie drängt nun endlich auf den Markt – mit zutiefst konventionellen Produkten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.