16. Mrz 2020

Auf den Hund gekommen: Gentherapie gegen das Altern

Forscher arbeiten an einer Gentherapie gegen altersbedingte Krankheiten. Die ersten Nutznießer werden wohl Hunde sein.

Beim Fortschritt der Medizin spielen Hunde meist nur eine beklagenswerte Rolle: als Versuchstiere in der Entwicklung. Doch zunehmend werden neuartige Therapien auch zum Wohle der Vierbeiner eingesetzt – oder sogar erstmals für sie entwickelt.

Dies ist zumindest der Plan der US-Firma Rejuvenate Bio, die Forscher kürzlich als Ausgründung der Harvard Universität ins Leben gerufen haben. Das Ziel ist nichts geringeres als eine Gentherapie gegen das Altern. Oder, etwas präziser formuliert, die Behandlung von altersbedingten Krankheiten wie Übergewicht, Typ-II-Diabetes, Herzversagen und Nierenschwäche.

Erster Test in Mäusen

Ausgangspunkt ist eine Studie mit Mäusen, die kürzlich im angesehenen Wissenschaftsjournal PNAS erschienen ist. Gleich drei Gene, die schon zuvor in Zusammenhang mit Langlebigkeit aufgetaucht, wurden mit adenoviralen Vektoren in den Körper der Nager eingeschleust: FGF21, αKlotho und sTGFßR2.

Die Mäuse wurden dann unterschiedlichen Stresssituationen ausgesetzt, und immer zeigte die Kombi-Gentherapie eine spürbare Wirkung. Nach einem künstlich herbeigeführten Herzinfarkt verbesserte sich die Herzfunktion um 58 Prozent, die Narbenbildung nahm um etwa ein Drittel ab. Ähnlich bei einem experimentellem Nierenversagen, wo der Gewebeschwund um 75 Prozent verringert wurde. Und letztlich konnte bei Mäusen, die eine Diät mit hohem Fettanteil erhielten, die Ausbildung von Übergewicht und Diabetes vollständig verhindert werden.

King Charles Spaniels mit Herzklappenfehler

Rejuvenate Bio will diese Gentherapie nun bei Hunden testen, mit einem sehr konkreten Ziel – die Behandlung eines vermutlich genetisch bedingten Herzklappenfehler. Diese Mitralendokardiose tritt bei vielen kleine Hunderassen auf, meist ab einem Alter von etwa acht Jahren. Zwar schreitet die Erkrankung meist eher langsam voran, ist aber bei Hunden kaum heilbar und kann letztlich zu einem tödlichen Lungenödem führen. Reinrassige Cavalier King Charles Spaniels sind besonders gefährdet: Bei ihnen kann die Mitralendokardiose schon ab dem Alter von zwei Jahre auftreten.

Die Firma plant nun, in einer Studie die Gentherapie an 10 King Charles Spaniels zu testen. Diese kleine Teststudie soll etwa ein Jahr dauern, dann kann bei der US-Arzneimittelbehörde FDA der Prozess für die Zulassung eines Tiermedikaments eingeleitet werden. Dann wird eine größere Studie nötig, die mindestens drei Jahre dauern wird. Sollte die Gentherapie diese Hürden überstehen, winkt ein großer Markt: Geschätzt leiden allein in den USA sieben Millionen Hunde an der Mitralendokardiose. Und einige Halter geben für die Gesundheit ihres Hundes bereitwillig auch größere Geldbeträge aus.

Von Hund zu Mensch

Das wäre dann allerdings vermutlich erst der Anfang der Erfolgsgeschichte. Wenn diese Gentherapie bei Hunden anschlägt, öffnet sich auch die Tür für einen Test am Menschen. Und wenn vier häufige altersbedingte Krankheiten gleichzeitig gelindert werden könnten, verlöre auch das Alter viel von seinem Schrecken. Denn es weniger die Zahl der Jahre, die die Lebensqualität mindern, sondern das Auftreten zahlreicher – vielleicht vermeidbarer! – Erkrankungen.

Aber erst einmal wäre schon die Behandlung von Hunden ein großer Erfolg. Profitieren würden aber vorerst nur Tiere, hinter denen ein wohlbetuchtes Herrchen steht. Beim Menschen erzielen Gentherapien Millionenpreise: Bei Tieren wäre dies sicher nicht durchsetzbar, aber die Kosten werden dennoch erheblich sein.

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