7. Sep 2020

CAR-T-Zellen in Deutschland – ein Zwischenbericht

Über 300 Patienten haben bislang in Deutschland eine CAR-T-Zelltherapie erhalten. Ist das viel oder wenig?

Ziemlich genau vor zwei Jahren wurden die ersten beiden CAR-T-Zelltherapien – Kymriah und Yescarta – in Europa zugelassen. Zeit für ein kleines Zwischenfazit, sagte sich die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) und startete eine Umfrage. Wie machen sich die CAR-T-Zellen in Deutschland?

26 Zentren, dezentral und flächendeckend

Als Erstes fällt die große Zahl der Anlaufstellen auf: 26 Zentren bieten CAR-T-Zelltherapien an, das ist mehr als in vielen anderen europäischen Ländern. Eine dezentrale und flächendeckende Versorgung war von Anfang an das erklärte Ziel – offenkundig wurde es auch umgesetzt. An einem zu langem Anfahrtsweg sollte daher keine Behandlung scheitern.

Diese Zentren behandelten bislang über 300 Patienten, vor allem in den letzten zwölf Monaten (anfangs waren noch größere Anlaufschwierigkeiten zu überwinden). Gemäß der Zulassung waren es entweder Erwachsene mit Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) oder Jugendliche mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Wie viele erhielten Kymriah, wie viele Yescarta? Dazu finden sich keine Aussagen.

Nebenwirkungen weniger schlimm als befürchtet

Nach effektiv einem Jahr bleibt der Behandlungserfolg unklar – für verlässliche Statistiken ist es noch zu früh. Aber zu den Nebenwirkungen gibt es erste Daten: 48 Patienten mussten auf der Intensivstation behandelt werden, elf verstarben während der Therapie. Das ist viel, aber immer noch weniger, als zu befürchten war – von daher zieht die DGHO hier ein positives Fazit.

Aber zurück zu den Patientenzahlen: 300 Patienten – sind das nun viel oder wenig? Angesichts der etwa 500 000 Neuerkrankungen und 230 000 Krebstoten in Deutschland pro Jahr, die das Zentrum für Krebsregisterdaten ausweist, ist das noch nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber in der Form ist diese Einordnung natürlich unfair, da CAR-T-Zelltherapien bislang ja nur für relativ seltene Krebserkrankungen zugelassen sind.

100 Millionen Euro für 300 Patienten

An NHL erkranken jährlich knapp 20 000 Deutsche, etwa 800 an ALL. Aber nur für ein Teil dieser Patienten kommen CAR-T-Zellen infrage, vor allem für die rückfälligen und schwer zu behandelnden Fälle. Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) geht in seinen Nutzenbewertungen x3 von jährlich etwa 600 möglichen NHL-Patienten und etwa 60 ALL-Patienten aus. Damit haben die CAR-T-Zelltherapien bereits im ersten Jahr die Hälfte ihres Potenzials ausgenutzt, zudem rechnen die meisten Zentren damit, dass die Patientenzahlen in Zukunft ansteigen. Sieht man die Zahlen von diesem Standpunkt, sind 300 Patienten also eine recht beachtliche Zahl.

Zuletzt darf natürlich auch ein Blick auf die Kosten nicht fehlen. Für beide CAR-T-Zelltherapien gehen in Deutschland etwa 320 000 Euro an die Hersteller, dazu kommen noch die Kosten für Krankenhaus und Behandlung, mindestens 15 000 Euro pro Patient. Bei gut 300 Patienten errechnet sich daraus eine Summe von über 100 Millionen Euro. Das ist dann wohl die erste Zahl, die wirklich beeindruckt.

CAR-T-Zelltherapien sind offenkundig auf gutem Weg, sich im klinischen Alltag zu etablieren. Bezogen auf alle Krebsfälle bleiben sie aber de facto eine vernachlässigbare Größe. Auf absehbare Zeit wird ihr Einfluss wohl eher bei den Finanzen als in der Krebsstatistik zu spüren sein.

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