16. Jan 2014

Krebs löst Autoimmunerkrankung aus – eine fatale Verwechslung?

Als ob ein Tumor nicht gefährlich genug wäre – eine Studie zeigt nun, dass er auch das Immunsystem verwirren und Attacken gegen den eigenen Körper provozieren kann. Tödliche Autoimmunerkrankungen sind die mögliche Folge.

Das Immunsystem soll den Körper schützen, aber manchmal geht etwas schief: Die Immunzellen wenden sich gegen das eigene Gewebe und fügen ihm schwere Schäden zu (eine sogenannte Autoimmun-Reaktion). Autoimmunerkrankungen sind auffällig häufig mit Krebs vergesellschaftet – der Grund bleibt jedoch unklar. Manche Forscher glauben, dass die verabreichten Medikamente das Krebs-Risiko erhöhen. Bei der systemischen Sklerodermie – einer tödlich verlaufenden Verhärtung der Gewebe – scheint die Ursache jedoch in einer Verwechslung zu liegen.

Die systemische Form der Sklerodermie ist zum Glück eine seltene Krankheit, denn sie hat dramatische Folgen für die Betroffenen. Haut, innere Organe und Blutgefäße verdicken sich und werden hart; im schlimmsten Fall kann dies innerhalb weniger Monate zum Tode führen. Die Ursachen der Krankheit sind unklar, doch finden sich oft Antikörper gegen körpereigene Proteine – deutliche Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung. Patienten mit Auto-Antikörpern gegen das Protein RPC1 haben ein weiteres Problem: Sie erkranken häufig gleichzeitig an Krebs.

Könnte der Krebs die Ursache der Sklerodermie sein? Diese Hypothese überprüften Forscher von der US-amerikanischen Johns Hopkins Universität an 16 Patienten mit systemischer Sklerodermie, die an unterschiedlichen Formen von Krebs litten. Acht dieser Patienten hatten Auto-Antiköper gegen RPC1, einer Untereinheit der RNA-Polymerase III. Die zentrale Frage: Finden sich in den Tumoren der Patienten Mutationen in dem Gen POLR3A, dem Ursprung des Proteins RPC1?

Tatsächlich wurden die Forscher in sechs der acht Patienten fündig: Das POLR3A-Gen war mutiert oder eine Kopie des Gens war verschwunden. Weiterhin zeigte sich, dass die Auto-Antikörper gegen RPC1 beide Varianten erkannten – das normale Protein und die mutierte Krebsvariante. Antikörper werden von B-Zellen hergestellt, die wiederum auf die Hilfe von T-Zellen angewiesen sind. Als die Forscher auch die T-Zellen untersuchten, fiel etwas auf: Die T-Zellen reagierten nur auf das mutierte RPC1, aber nicht auf die normale Variante.

Beruht die Autoimmunkrankheit also auf einer Verwechslung, ausgelöst durch den Krebs? Die experimentellen Daten stützen diese Hypothese. Danach wäre zuerst der Krebs da gewesen, mit einer Mutation in dem Gen POLR3A – und als Folge einem veränderten Protein RPC1. T-Zellen haben das veränderte Protein erkannt und die Produktion von Antikörpern gegen RPC1 ausgelöst. Diese Antikörper reagierten aber nicht nur auf das mutierte RPC1, sondern auch auf das normale (ein bekanntes Phänomen bei Auto-Antikörpern). Die Folge: Die Auto-Antikörper konnte manche Körperzellen nicht mehr von Tumorzellen unterscheiden – eine fatale Verwechslung, die zur Ausbildung der systemischen Sklerodermie führte.

Die acht Patienten in dieser Studie sind zu wenig, um diese Hypothese endgültig zu beweisen. Aber die Daten wirken schlüssig, und sicherlich werden bald deutlich größere Studien gestartet, die diesen Ansatz weiter ausbauen. Denn die Interaktion von Krebs und Immunsystem rückt allgemein immer mehr in den Blickpunkt: Die Hoffnung ist groß, dass die Grundlagenforschung hier auch zur Therapie von Krebs beitragen kann.

Quellen:
Joseph et al. (2014). Association of the autoimmune disease scleroderma with an immunologic response to cancer. Science (New York, N.Y.), 343 (6167), 152-7 PMID: 24310608

Mehr dazu auf wissensschau.de:
Krebs – ein Versagen des Immun­systems?

3 thoughts on “Krebs löst Autoimmunerkrankung aus – eine fatale Verwechslung?

  1. Auch bei mir wurde im Marz Sistemische Sklerodermie vestgestellt,
    nach beschwerden im Hals wie Husten,
    Schluckben wurden weitere Untersuchungen durchgeführt.
    Wobei auf der rechten Seite eine auffälliger Lympfknoten festgestellt und herausgeschnitten wurde.
    Dieser war bösartige, also wurden mir einige Tage später die Mandeln entfernte, wo man in der rechten Mandel den hert vom krebs fand.
    Professor von der Universitätsklinik ist der Meinung, nicht zu bestrahlen, da Stufe ||
    MfG
    Jutta Frenzel

  2. Das liest sich ja schlimm…
    Bei mir wurde aktuell systemische Sklerodermie festgestellt. Komisch finde ich dass schon 1993 meine Schilddrüse wegen nicht bösartigen Knoten entfernt wurde. Nun muss ich zur genauen Diagnostik ins Krankenhaus. Ich weiß auch nicht was schrecklicher ist, Sklerodermie oder Krebs, zumal meine Mutter früh an Krebs verstorbene ist..

  3. Veränderte Proteine durch Quecksilber sind der Autoimmunkrankheiten Auslöser, leitest du Quecksilber aus so gibt es eine Heilung Möglichkeit

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