CAR-T-Zellen stoppen Lupus erythematodes

Keine Immunzellen, keine Autoimmunerkrankung – diese Idee haben Ärzte in Erlangen konsequent umgesetzt.

Eine beschwerdefreie Frau und ihre stolzen Ärzte. (Quelle: Alessa Sailer/Uni-Klinikum Erlangen)

Eine junge Frau litt schwer unter den Folgen einer Autoimmunerkrankung, alle bekannten Therapien blieben wirkungslos. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand“, erklärte einer ihrer Ärzte. Und entschloss sich zu einem mutigen Schritt: CAR-T-Zellen sollten das Immunsystem teilweise ausradieren. Kurz danach waren die Beschwerden der Frau wie weggeblasen.

Eine rührende Geschichte aus einer kitschigen Fernsehserie? Nein, eine wahre Geschichte, dieses Frühjahr in Erlangen passiert. Als Fallbericht hat es die Patientin sogar in das angesehene New England Journal of Medicine geschafft. Mit gutem Grund: Vielleicht öffnet sich hier ein neues Kapitel der Medizin.

Immunsystem und Autoimmunerkrankung

Der Grundgedanke ist natürlich nicht neu. Seit langem unterdrücken Ärzte das Immunsystem von Patienten, um die Symptome einer Autoimmunerkrankung zu lindern. Meist mit Medikamenten, die eine eher milde Immunsuppression bewirken. Bei schweren Symptomen werden auch Antikörper eingesetzt, um die Zahl mancher Immunzellen zu verringern. Aber eine CAR-T-Zelltherapie ist beim systemischen Lupus erythroides (SLE) – an dieser Krankheit litt die junge Frau – wohl nie zuvor getestet worden.

Vieles ist bei der SLE noch unklar, doch an der zentrale Rolle der B-Lymphozyten gibt es kaum Zweifel: Bei vielen Erkrankten produzieren diese Immunzellen Antikörper, die sich gegen die eigene Erbsubstanz richten. Die Antikörper lösen Entzündungsreaktionen aus, mit schweren oder sogar lebensbedrohlichen Folgen – Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Nieren- und Herzerkrankungen.

CAR-T-Zellen gegen B-Zellen

Bereits seit vier Jahren hatte eine heute 20-jährige Frau mit diesen Beschwerden zu kämpfen. Im März hatten alle verfügbaren Therapien ihre Wirkung verloren. Ihre Ärzte am Uni-Klinikum Erlangen sahen nur noch eine Option: Der Einsatz von CAR-T-Zellen, die vor allem bei Lymphomen eingesetzt werden. Die Anwendung bei SLE beschränkt sich bislang auf erste Tests bei Mäusen. Ein durchaus riskanter Versuch also.

Für die Herstellung der CAR-T-Zellen isolierten die Ärzte besondere Immunzellen der Frau, die T-Zellen. Eine lentiviralen Genfähre schleuste in das Erbgut der Zellen einen künstlichen Rezeptor (chimeric antigen receptor, CAR) ein, der sich gegen das Oberflächenprotein CD19 richtet – ein Marker für B-Lymphozyten. Die CAR-T-Zellen sollten die B-Zellen aus dem Körper der Patientin entfernen und damit die Produktion der schädlichen Autoantikörper stoppen.

Das gelang besser und schneller als erwartet: Bereits fünf Wochen nach dem Eingriff hatten sich die Beschwerden gelegt. Die Gelenkschmerzen waren verschwunden, der Körper hat sich vollständig erholt und andere Medikamente wurden überflüssig. Nennenswerte Nebenwirkungen blieben der Frau erspart, ihr Zustand ist nun seit knapp sechs Monaten stabil.

Ein Erfolg – nur kurzfristig oder dauerhaft?

Ein großer Erfolg also. In der Pressemitteilung der Klinik lächelt eine entspannte junge Frau, umrahmt von stolzen Ärzten. Und ihr Stolz ist begründet, wenn auch mit großen Einschränkungen: Noch ist unklar, wie lange die Wirkung anhält. Die CAR-T-Zellen werden wahrscheinlich irgendwann aus dem Körper verschwinden – kehren dann auch die Beschwerden zurück?

Und bislang handelt es sich hier um einen Einzelfall. Ist der Erfolg auch auf Andere übertragbar? Diese Frage wollen die Erlanger Ärzte als nächste angehen: Sie planen eine klinische Studie, um die Wirkung von CAR-T-Zellen bei Autoimmunerkrankungen systematisch zu untersuchen.

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