17. Dez 2018

Stammzelltherapie bei Parkinson – neuer Anlauf mit iPS-Zellen

Nervenzellen aus dem Labor sollen die Symptome der Parkinson-Krankheit lindern. Japanische Ärzte haben den ersten Patienten behandelt.

Darstellung einer gesunden Nervenzelle. Quelle: National Institute on Aging, National Institutes of Health cc-by-nc 2.0

Stammzellen sollen helfen, wenn konventionelle Therapien an ihre Grenzen geraten. Das gilt auch für die unheilbare Parkinson-Krankheit, bei der schon das Lindern der Symptome große Mühe bereitet. Bereits in den 1990er Jahren starteten daher erste Experimente mit fetalen Stammzellen: Die Ergebnisse waren jedoch zwiespältig und die klinischen Studien gerieten ins Stocken.

Seitdem arbeiteten Parkinson-Forscher an neuen Ansätzen, und nun stehen die ersten Tests am Menschen an. Ein Ansatz beruht auf induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen), die im Labor alle menschlichen Zellarten hervorbringen können – darunter auch die Neuronen des Gehirns. Für die Behandlung von Parkinson ein hervorragender Ausgangspunkt.

Dopamin als Ansatzpunkt

Denn der Verlust von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin erzeugen, ist das auffälligste Kennzeichen von Parkinson. Die motorischen Probleme wie Zittern und Muskelstarrheit beruhen auf dem Mangel an Dopamin, und fast alle gängigen Parkinson- Medikamente versuchen dieses Defizit auszugleichen. Doch die Dosierung der Medikamente ist schwierig, und die Wirksamkeit lässt oft mit der Zeit nach.

Stammzellen – so die Hoffnung – könnten den Dopamin-Spiegel auf natürliche Weise regulieren und langfristig im Gehirn überleben. Bei einzelnen Patienten gelang das mit fetalen Zellen bereits recht gut. Doch bei vielen anderen blieb der Eingriff wirkungslos, und einigen ging es hinterher schlechter als zuvor. Möglicherweise spielen hier Schwankungen bei der Dosis eine Rolle, die auch bei Stammzelltherapien ein kritischer Faktor ist. Fetale Zellen haben hier einen großen Nachteil: Sie bestehen aus einer uneinheitlichen Mischung, die sich schwer standardisieren und dosieren lässt. Zudem wird der Einsatz dieser Zellen absehbar auf Widerstand stoßen, da sie aus abgetriebenen Embryonen stammen.

iPS-Zellen mit Vorteilen

In beiden Punkten können die iPS-Zellen in Vorteile voll ausspielen: Ihre Entwicklung im Labor folgt einem festen Programm und das Ergebnis ist nachprüfbar – eine exakte Dosierung sollte kein Problem sein. Und ethische Probleme werfen sie in diesem Zusammenhang auch nicht auf. Ihr großer Nachteil bleibt die Gefahr von Krebs, angesichts des schweren Verlaufs von Parkinson scheint dieses Risiko jedoch vertretbar.

In Japan – quasi dem Mutterland der iPS-Zellen – startete nun die erste Studie. Ein gut 50 Jahre alter Patient erhielt in einer Klinik in Kyoto etwa 2,4 Millionen Vorläufer von Nervenzellen, die in 12 unterschiedliche Regionen des Gehirns transplantiert wurden. Die Zellen stammten ursprünglich von einem gesunden Spender und wurden von dem Wissenschaftler Jun Takahashi aufbereitet. Dessen Ehefrau Masayo Takahashi hatte 2014 erstmals iPS-Zellen am Menschen getestet, für die Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration.

Dem ersten Patienten geht es gut

Dem Patienten in Kyoto geht es bislang gut, und wenn dies so bleibt, wird er nach sechs Monaten noch einmal 2,4 Millionen Vorläuferzellen erhalten. Bis Ende 2020 sollen sechs weitere Parkinson-Patienten folgen. Keiner wird sich in den letzten Stadien der Erkrankung befinden: Der potenzielle Nutzen der Therapie ist dadurch größer, bei einem Fehlschlag gilt dies allerdings auch für den angerichteten Schaden. Eine vollständige Heilung ist jedoch unrealistisch, denn die transplantierten Zellen können im besten Fall bisherige Schäden ausgleichen, ein erneutes Fortschreiten der Krankheit aber nicht verhindern.

Die Transplantation der iPS-Zellen wurde zuerst bei Affen getestet, die an einer künstlichen Form von Parkinson litten. Das wichtigste Ergebnis: Die Entwicklung von Tumoren blieb aus, der Eingriff scheint weitgehend sicher zu sein. Zudem überlebten die transplantierte Neuronen für mindestens zwei Jahre und knüpften Verbindungen zu den natürlichen Gehirnzellen. Die Symptome der Krankheit verbesserter sich in dieser Zeit, die Affen bewegten sich mehr als zuvor. Alles in allem, besteht also Grund zu vorsichtigem Optimismus, dass dieser Ansatz auch Menschen helfen könnte.

In Japan mit Eiltempo?

Nicht nur in Japan, auch in anderen Teilen der Welt nimmt das Feld an Fahrt auf. In Europa startete im Jahr 2015 eine Studie mit fetalen Zellen, an der bis zu 20 Patienten teilnehmen sollen. In China und Australien laufen kleinere Pilotstudien, die auf embryonalen oder parthogenetischen Stammzellen beruhen. Und in den USA, Schweden und Großbritannien bereiten Wissenschaftler Studien vor, die iPS-Zellen und embryonale Zellen nutzen wollen.

Sichere Daten werden noch einige Jahre auf sich warten lassen, aber erste Trends in der japanischen iPS-Studie könnten innerhalb eines Jahres erkennbar sein. In Japan könnte es dann sehr schnell gehen: Dank extrem kurzer Zulassungszeiten wäre die Therapie dort im besten Falle sogar schon ab dem Jahr 2023 verfügbar.

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