Stammzelltherapie: Wucherung aus Nasengewebe an der Wirbelsäule

Auch seriöse klinische Studien sind nicht frei von Risiken: Stammzellen aus dem eigenen Nasengewebe sollten einer Querschnittsgelähmten helfen, doch das einzige Resultat war eine schmerzhafte Wucherung. Ein Warnschuss für das ganze Feld.

Viele halten Stammzellen für ein Wundermittel. Die Zellen werden in alle denkbaren Körperteile gespritzt und sollen die unterschiedlichsten Krankheiten heilen. Doch Stammzelltherapien können manchmal gefährlich werden – und das nicht nur in dubiosen Kliniken am Ende der Welt. Das musste auch eine junge Frau erfahren, die sich im Rahmen einer seriösen Studie in Lissabon behandelt ließ.

Wie so oft beginnt die Geschichte dieser Stammzelltherapie mit einem tragischen Ereignis. Eine 18jährige US-amerikanische Frau wird in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bricht sich dabei die Wirbelsäule und ist seither an den Rollstuhl gefesselt. Da die Rehabilitation kaum Besserung brachte, entschließt sie sich drei Jahre später zu einem Experiment: Die Verpflanzung von eigenem Nasengewebe in das Rückenmark.

Diese Idee klingt erst einmal absurd, ist aber durchaus ernstzunehmen: Kein Teil des Nervensystem erneuert sich so schnell wie das olfaktorische System, dessen Ausläufer bis in die Nase reichen. Der obere Teil der Nasenschleimhaut ist daher reich an Stammzellen, aus denen neue Nervenzellen hervorgehen, und Helfer-Zellen, die das Wachstum der Nervenzellen leiten und unterstützen.

Einige Forschergruppen versuchen, diese Zellen für die Regeneration von Nervengewebe zu nutzen. Meist werden die Zellen im Labor vermehrt und dann in gereinigter Form transplantiert. Doch eine portugiesische Gruppe am Hospital de Egas Moniz in Lissabon entschied sich für den direkten Weg: Sie verpflanzte das gesamte Gewebe in die Nähe des Rückenmarks.

Die junge Amerikanerin flog nach Lissabon und unterzog sich dieser experimentellen Stammzelltherapie. Leider schlug die Behandlung bei ihr in keiner Weise an. Doch acht Jahre später entwickelte sie schwere Rückenschmerzen.

Sie suchte daraufhin ein Krankenhaus in heimischen Iowa auf, wo Ärzte eine fast vier Zentimeter lange Wucherung entdeckten. Genau an der Stelle, wo Jahre zuvor die Stammzelltransplantation durchgeführt wurde. Nach einer Operation wurde klar: Die Wucherung bestand tatsächlich aus Nasengewebe, das weiterhin aktiv war und mittlerweile große Mengen von zähflüssigem Schleim produziert hatte (hier die wenig erbaulichen Bilder dazu). Der Druck der Schleimmasse auf das Rückenmark hatte wohl die Schmerzen hervorgerufen. Zum Glück war es kein bösartiger Tumor, und so ließen die Schmerzen nach der Operation bald wieder nach.

Um es noch einmal zu betonen: Die Ärzte in Lissabon waren keine verantwortungslosen Abenteurer. Bei dieser Stammzelltherapie handelte sich um eine seriöse klinische Studie, die den ethischen Standards und nationalen Regeln entsprach. Die Ergebnisse einer Pilotstudie wurden 2010 veröffentlicht: Von den zwanzig Teilnehmern entwickelte zwar einer Meningitis und vier andere litten unter kleineren Nebenwirkungen, aber bei immerhin elf Patienten verbesserte sich deren Zustand.

Auch in der Gewebe-Wucherung der glücklosen Amerikanerin fanden sich neue Nervenzellen. Allerdings konnten sich diese nicht mit dem Rückenmark verbinden – vielleicht auch deshalb blieb die Therapie bei ihr wirkungslos.

Viele unabhängige Experten reagierten betroffen auf diesen Vorfall und sahen ihn auch als Warnung: Nach all den Jahren weiß man immer noch zu wenig über Stammzellen, um ihr Verhalten vorhersagen zu können. Als erste Konsequenz wurde gefordert, die Zeit der Nachsorge zu verlängern. Im Gegensatz zu Medikamenten verschwinden Stammzellen nicht unbedingt aus dem Körper des Patienten, Nebenwirkungen können sich also – wie in diesem Fall – erst viele Jahre später bemerkbar machen.

Viele Patienten unterziehen sich experimentellen Stammzelltherapien, weil sie verzweifelt sind und keine Alternativen sehen. Doch jede klinische Studie ist mit Risiken verbunden. Und kaum ein Patient ist in einer so hoffnungslosen Lage, dass ein misslungener Therapieversuch den eigenen Zustand nicht noch unerträglicher machen könnte.


Quelle:

Dlouhy et al. , J Neurosurg Spine 2014: Autograft-derived spinal cord mass following olfactory mucosal cell transplantation in a spinal cord injury patient

Mehr dazu auf wissensschau.de:

Dubiose Stammzelltherapien: Ein Geschäft mit der Verzweiflung?

3 Gedanken zu „Stammzelltherapie: Wucherung aus Nasengewebe an der Wirbelsäule“

  1. Sehr geehrte Damen & Herren,

    mein Problem bezieht sich ebenfalls auf die Nasenschleimhaut und deren möglichen Ersatz.
    War bis März 2018 völlig gesund – dann begann eine für mich dramatische & leider recht absurde Krankheitsgeschichte. Beginnend mit einer Influenza Typ B, die ich auf Grund beruflicher Erfordernisse dummerweise verschleppt und wohl nicht richtig auskuriert hatte, hatte ich neben diffusen Problemen, wie Nachtschweißattacken, brennenden Schmerzen im ganzen Körper, Taubheit der Gliedmaßen, Blutauswürfen, die sich ab und an zeigten, ab Ende Mai einen zunehmenden Speichelfluss, der immer mehr, schaumiger, dicker und zäher wurde., War bei mehreren Ärzten & Kliniken, meine Idee, dass es sich um eine Bronchitis handeln könne (meine Büronachbarin hatte starke Bronchitis),wurde stets verneint, da selbst ich keinen Husten hatte, Abhören der Lunge & Röntgen im Frühjahr/Sommer auch noch gut waren. Ende August dann:
    Pneumologe: Diagnose „ACOS“. Und das, obwohl bis dato nie Asthma und nur als Kind leichten Heuschnupfen.
    Desweiteren Nichtraucher & Bürojob. Besuchte dann den Lungentag Potsdam, bei dem ich mit den entsprechenden Experten sprach + seither 4 weiteren Pulmologen + 2x Lungenklinik incl. Bronchioskopie.
    Resultate: keiner bestätigte COPD so richtig, einmal hieß es „leichte chron. Bronchitis“ , Asthma wurde mal bestätigt, mal nicht. FEV 1 war ab September bis Januar immer über 100% – allerdings stets fallend von 115 auf nun 100%. Problem a) Menge des Schleims: schon im Oktober benötigte ich 20Pckg Tempo/Tag (Schlucken verursacht mir leider Schmerzen). Problem b) ab Ende Okt. musste ich den Schleim mittels Kehlkopf „ziehen“ / lief nicht mehr von selbst, da dicker. Nun: chronische Kehlkopf-und Rachenentzündung. Bei der Voruntersuchung zur Kehlkopfspiegelung stellte sich ein Zungengrundsoor heraus, trotz penibler Einhaltung der Einnahmevorschriften des Kortisonsprays. Musste die Einnahme desselben nach Rücksprache mit Pneumologen einstellen. Nach ewiger Einnahme des entsprechendes Pilzmittels (Moronal/Ampho-Moronal) war auch nach 6 Wochen der Pilz noch da + einer massiv veränderten Zunge (Haarzunge?) – niemand konnte eine genaue Diagnose stellen. Der komplette Mund & Rachenraum ist nun entzündet + trocken!.
    War trotzdem weiter auf der Suche nach weiteren Ursachen für die Unmengen des Schleims. Hatte Ende September eine Wurzelbehandlung. Dabei ereignete sich ein leichter Durchstoß in die Kieferhöhle . Tags drauf lief grünliche Flüssigkeit aus (und wohl auch in) die Nase. Nach Antibiotikagabe bildete sich nun auch ab und an etwas Schleim hinter der Nase, den ich ab und an „heruntersog“, wenn er störte, dem ich aber keine weitere Beachtung zumaß. Im Dezember ließ ich eine CT der NNH machen, da ich vom „sinubronchialen Syndrom“ hörte. Damals wurde dieses aber nicht gesehen, nur von einer Weichteilschwellung im Bereich der Cavum nasi war die Rede. Da im September eine große axiale Hernie festgestellt wurde, begab ich mich im Dezember zur Privatsprechstunde eines HNO wegen einer ph-metrie am Rachen (stiller Reflux). Dort hieß es, ich hätte wohl keine optimale Nasenatmung – obwohl ich bis dato keinerlei Probleme hatte. Meine Nasenmuscheln würden aber eine optimale Nasenatmung behindert, weshalb ich mich zu einer Laserung überreden ließ (erstma linke Seite). Nun habe ich auf dieser Seite weniger, auf der ungelasertenfast gar keine Luft mehr. Nach Abschwellen der rechten Seite war ich wieder zu Gast in einer Lungenklinik (wollte endlich herausfinden, woher der ganze Schleim kommt). Ich reiste an mit : ganz viel Schleim & keinem Husten & ab mit noch mehr Schleim, Husten, nun ständigem Räuspern, Unmengen von zusätzlichem Schleim aus der Nase, der täglich zäher wird und in den Wahnsinn treibt. Nach Pricktest weiß ich nun zumindest,dass ich auf wirklich ALLES allergisch bin (war bis Oktober noch täglich im Garten – ohne Probleme – auch mit Katze etc.
    Zudem wurde jetzt ein IgG3-Subklassendefekt festgestellt.
    Der Versuch, ein Kortisonspray für die Nase einzunehmen endete mit einem Tinnitus und ständigem Klacken in den Ohren, da die Nase stets total zuschwoll (trotz zusätzlicher Einnahme eines abschwellenden Mittels).
    Habe nun keine einzige Sekunde, in der ich nicht immer zäheren Schleim aus der Nase,den Bronchien, dem Kehlkopf ziehe, huste, röchle, räuspere, schnaufe … Bin am Ende. Eigentlich bin ich Feinschmecker und leidenschaftlicher Hobbykoch. Nun kann ich nur noch Fertigfraß erwärmen. Kann auch nirgendwo mehr hin, musste meine Arbeit aufgeben, das geliebte (englische) Auto aufgeben, kann nicht mal mehr einen Zeitungsartikel in Ruhe lesen, fernsehen o.ä., da ich rund um die Uhr mit dem Schleim kämpfe. Nach Essen oder Trinken explodiert der Schleimfluss (schon im Sommer war das so).Nachts läuft der flüssigere Teil des Schleims wie ein Wasserfall den Rachen hinab und läuft wohl in die Bronchien. Merke nun auch, dass die Luft nachlässt. Kurzum: die Nase bringt mich in Kürze ins Grab!!! Für mich wäre eine Stammzellentherapie (Austausch der geschädigten/schleimenden Becherzellen) wohl die einzige Lösung. Aber wer macht so etwas?

    kh

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    • Was für eine tragische Entwicklung! Doch leider weiß auch ich keinen guten Rat: Eine Stammzelltherapie, die Schleimhäute in den Atemwegen regeneriert, ist in meinen Literaturrecherchen bislang nicht aufgetaucht.

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