23. Feb 2019

Mehr als Zellersatz – vier Alternativen bei der Stammzelltherapie

Stammzellen sollen geschädigte Organe reparieren, indem sie neues Gewebe erzeugen. Doch die Entwicklung stockt – ein Forscher nennt vier Alternativen.

Holoclar ist die große Ausnahme: Die Therapie erfüllt die Hoffnungen, die Forscher in Stammzellen setzen. Körpereigene Zellen erzeugen eine neue Hautschicht auf Augen, die durch Unfälle schwer verletzt wurden. Patienten, die zu erblinden drohten, gewinnen ihre Sehkraft zurück. Kurz gesagt – ein geschädigtes Organ wird erneuert und gewinnt seine ursprüngliche Funktion zurück.

Doch leider ist leider ist die Entwicklung bei anderen Erkrankungen ins Stocken geraten. Studien mit Diabetes, Makuladegeneration und Querschnittslähmung ziehen sich bereits seit Jahren hin, ohne dass ein Durchbruch in Sichtweite kommt. Der Traum, aus Stammzellen neue Körpergewebe zu erzeugen, erweist sich als schwer erfüllbar.

Doch Stammzellen können mehr, als geschädigte Zellen zu ersetzen. Der Forscher und Blogger Paul Knoepfler hat kürzlich vier alternative Anwendungen zusammengestellt, die auf einer anderen Fähigkeit beruhen – dem Freisetzen von Signalstoffen.

1. Freisetzung von Wachstumsfaktoren

Stammzellen setzen Botenstoffe frei, um mit anderen Zellen und Geweben zu kommunizieren. Dazu gehören auch Wachstumsfaktoren, die die Heilung von verletztem Gewebe unterstützen: Sie regen die Zellteilung an oder verhindern das Absterben von Zellen. Hilfe zur Selbsthilfe, quasi.

Auf diesem sogenannten parakrinen Effekt setzen auch Ärzte, die Blutstammzellen für die Behandlung von Herzschwäche testen. Bei einem Herzinfarkt sterben etwa eine Milliarde Zellen, die nicht wieder erneuert werden. Die Wachstumsfaktoren von transplantierten hämatopoetischen Stammzellen sollen wenigstens einen Teil von ihnen retten. Tatsächlich scheint der Ansatz zu helfen – wenn auch nur in sehr begrenztem Maße.

2. Hemmung der Immunantwort

In eine ähnliche Richtung geht der Ansatz, Stammzellen für die Lenkung der Immunreaktion zu nutzen. In diesem Fall soll die Freisetzung von Zytokinen, den Botenstoffen des Immunsystems, die Auflösung von chronischen Entzündungen unterstützen. Besonders die mesenchymalen Stammzellen stehen hier im Fokus, da ihnen allgemein eine immunsuppressive Wirkung zugeschrieben wird.

Tatsächlich gibt es bereits eine Therapie auf dem Markt, die auf diesem Prinzip beruht. Alofisel nutzt mesenchymale Stammzellen, um eine häufige Komplikation bei Morbus Crohn zu behandeln. Auch hier ist der Nutzen begrenzt: Die Therapie erhöht die Chancen auf Heilung, von einem Wundermittel ist sie aber weit entfernt.

3. Exosomen

Deutlich spekulativer ist schon die Idee, sogenannte Exosomen für die Therapie einzusetzen. Dabei handelt es sich um kleine, von einer Membran umhüllte Vesikel, die von Stammzellen freigesetzt werden. In den Exosomen finden sich ebenfalls Wachstumsfaktoren, Zytokine und andere Botenstoffe.

Dies ist ein Variante der ersten beiden Ansätze, die letztlich ganz auf Stammzellen verzichten will und nur noch Exosomen transplantiert. Die Idee hat einen seriösen Hintergrund, wird allerdings auch bereits von Geschäftemachern ausgenutzt. Ihr langfristiges Potenzial ist im Moment schwer abzusehen.

4. Transport von Medikamenten

Mesenchymalen Stammzellen wird auch nachgesagt, dass sie aktiv zu einem Entzündungsherd oder gar einem Hirntumor wandern können. Das eröffnet die Möglichkeit, sie als Transportmittel für Medikamente zu nutzen. Für diese Aufgabe müssen sie allerdings erst im Labor präpariert werden: Forscher statten die Stammzellen mit genetischen Anweisungen aus, um die medizinische Wirkstoffe vor Ort zu produzieren. Oder die Forscher beladen die Zellen zuvor im Labor mit den gewünschten Medikamenten.

Dieser Ansatz ist bislang ist vor allem eine nette Idee, ernsthafte Tests sind noch eher selten. Die Hürden sind hoch, denn es besteht die Gefahr, dass die Medikament falsch dosiert werden oder am falschen Ort landen.

Fazit

Sicher ist, dass die ursprünglichen Hoffnungen in die Stammzelltherapie überzogen waren. Schon vor zwei Jahren hatte der Nobelpreisträger Yamanaka vor zu großem Optimismus gewarnt: Er selber glaubte, dass Stammzelltherapien bei nur etwa zehn Erkrankungen in Frage kommen.

Und selbst um dieses Potenzial auszuschöpfen, sind neue Ansätze und viel Kreativität gefragt. Gut möglich, dass die einer oder andere der geschilderten Alternativen dabei eine Rolle spielen wird.

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