Zwei deutsche Stammzellforscher unter Verdacht

Bleibt Fehlverhalten mal wieder ungestraft? Der Eindruck drängt sich auf, anhand des Eiertanzes um die Wissenschaftler Strauer und Skutella: Trotz massiver Zweifel an deren Forschungsdaten blieben Konsequenzen bislang aus.

Ein wiederkehrendes Trauerspiel: Wissenschaftler vermelden spektakuläre Erfolge, Kollegen melden Zweifel an, Manipulationen oder Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht. Die Fälle werden an Gremien weitergereicht, und dann passiert – nichts. Jüngst zu beobachten bei zwei deutschen Stammzellforschern.

Bodo-Eckehard Strauer ist der Bekanntere von beiden. Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Behauptung, Herzinfarkt-Patienten durch Stammzelltherapien geheilt zu haben. Mit adulten Stammzellen, wohlgemerkt: Das passte wunderbar in das politisch-religiöse Konzept mancher Politiker und Medien. Dumm nur, dass eine Überprüfung von Strauers Arbeiten einiges ans Licht brachte, was nicht ganz koscher aussah (mehr dazu hier).

Die Universität Düsseldorf, an der Strauer lange als Kardiologe tätig war, leitete Ende 2012 eine Untersuchung ein. Gleich zwei Kommissionen wurden einberufen, und aufgrund der Gutachten strengt die Universität jetzt ein Disziplinarverfahren an. Der Vorwurf? Darüber schweigt sich die Uni aus. Zwar wurden die Akten an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, aber die verkündete schon bald darauf, keinen Anfangsverdacht erkennen zu können.

Thomas Skutella fand pluripotente Stammzellen im Hoden. Außer ihm gelang das leider niemandem. Eine unabhängige Überprüfung seiner Zellen wollte er auch nicht wirklich zulassen. Den Kollegen Hans Schöler und Martin Zenke platzte daraufhin der Kragen – sie veröffentlichten einen Frontalangriff in dem renommierten Fachjournal Nature.

In der Zwischenzeit war Skutella von Tübingen nach Heidelberg gewechselt. Sein alter Arbeitgeber in Tübingen strengte ein Verfahren an, das 2011 eingestellt wurde: Trotz erheblicher Verstöße konnte man Skutella „kein evidentes Fehlverhalten“ nachweisen. Die Uni Heidelberg versuchte eine andere Strategie – sie kürzte Skutellas Mittel auf ein Minimum. Doch Skutella klagte vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe, und das gab ihm jetzt recht: Die Uni Heidelberg muss zahlen. Diese wiederum will das nicht akzeptieren und geht in die nächste Instanz.

Bei beiden, Strauer und Skutella, ist das Ende noch offen. Die Verfahren werden sich noch lange hinziehen, aber man kann jetzt schon prophezeien: Der Abschluss wird niemanden zufrieden stellen.

Das Problem ist offenkundig: Wissenschaftliches Fehlverhalten ist extrem schwer nachzuweisen. Die Grenze zwischen Unfähigkeit und Betrug ist fließend, und die Beschuldigten reden sich unweigerlich darauf hinaus, nur eine andere wissenschaftliche Meinung zu vertreten. Erfahrene Experten können Machwerke eindeutig identifizieren, Gerichte können sie mit ihren Argumenten aber selten überzeugen.

Die unschöne Konsequenz: Weitere Fälle wie die von Strauer und Skutella werden uns nicht erspart bleiben.

siehe auch:
zellstoff, August 2014: Stammzellforscher Skutella muss umstrittene Studie zurückziehen

zellstoff, Juli 2013: Stammzellforscher unter Manipulationsverdacht – Schlagzeilen statt Fakten

Quellen:
J. Eberhardt, Stuttgarter Zeitung Februar 2014: Uni muss Zusagen einlösen

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